Gate-News-Meldung, 17. April — Der London Metal Exchange (LME)-Index, der sechs wichtige Metalle verfolgt, erreichte diese Woche einen neuen Höchststand. Ausschlaggebend waren der geopolitische Konflikt im Nahen Osten, der die Aluminiumlieferungen stört, sowie steigende Kupferpreise. LME-Aluminium erreichte am Donnerstag mehr als 3.650 US-Dollar je metrischer Tonne, den höchsten Stand seit März 2022. Der Nahe Osten trägt etwa 9% zur weltweiten Aluminiumproduktion bei.
Die Aluminiumpreise sind seit dem Ausbruch des Iran-Israel-Konflikts Ende Februar um rund 15% gestiegen. Die beiden kritischen Schmelzwerke im Nahen Osten in Abu Dhabi und Bahrain wurden direkt ins Visier genommen, was zu Produktionsstillständen führte. Qatalum in Katar startete eine kontrollierte Abschaltung, wobei der Mutterkonzern Hydro 6–12 Monate für eine vollständige Wiederaufnahme schätzt. Bahrains Alba erklärte teilweise höhere Gewalt (force majeure), während Emirates Global Aluminium (EGA), der größte Produzent der Region, höhere Gewalt für mindestens teilweise Lieferungen geltend machte. Auch die Schließung der Straße von Hormus hat die Frachtrouten durcheinandergebracht und die Versorgungsbedenken noch verstärkt.
Laut dem neuesten Bericht von JPMorgan erlebt der Aluminiummarkt das größte Angebotsdefizit seit 25 Jahren. Dabei verschiebt sich die Lage von einer zyklischen Knappheitsgeschichte hin zu einem strukturellen, lang anhaltenden Angebotszusammenbruch, der durch Kapazitätszerstörung, begrenzte Substitutionsmöglichkeiten und regionale Ungleichgewichte verursacht wird. JPMorgan beschreibt dies als eine Angebots-“Black-Hole”: Sobald die Schmelzkapazität beschädigt ist, dauert die Erholung Jahre statt Monate. Damit ist das 4.000-US-Dollar-Ziel je metrischer Tonne eine naheliegende Folge anhaltender Angebotslücken und kein bullischer Ausreißer. Shanghai-Aluminium fiel um 0,3% auf 3.632,50 US-Dollar; Kupfer sank um 0,3%; Nickel stieg um 1,8%. Der LMEX-Index gewann diese Woche 3,6%.
In der Zwischenzeit sagt das Team um den Rohstoff-Stratege Michael Hartnett von Bank of America voraus, dass Rohstoff-Rallyes bis 2030 anhalten werden — unabhängig von Entwicklungen zu einem kurzfristigen Waffenstillstand im Nahen Osten. Das Team ist der Ansicht, dass Rohstoffe das überzeugendste Post-War-Trade-Geschehen darstellen: Anleger suchen Absicherungen gegen Inflation, Währungsschwäche und geopolitische Volatilität. Sie argumentieren, dass die Kontrolle über Chips, Seltene Erden, Mineralien und effiziente Energie darüber entscheiden wird, wer bei KI dominiert. Damit werden Ressourcensicherheit und Kontrolle der Lieferkette zu den zentralen Preistreibern in der globalen Wirtschaft der Nachkriegszeit.
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