Der CEO von JPMorgan Chase, Dimon, warnt: Ein erneuter Krieg zwischen dem Iran könnte die Spreads wieder anheizen, und die US-Notenbank könnte die Zinssätze noch länger auf hohem Niveau halten

Der CEO von JPMorgan, Jamie Dimon, warnte in seinem jährlichen Aktionärsbrief, dass der Iran-Krieg zu „anhaltenden Öl- und Rohstoffpreisschocks“ sowie zur „Neugestaltung globaler Lieferketten“ führen könnte. Das könnte dazu führen, dass die Inflation im Vergleich zu den derzeitigen Markterwartungen klebriger bleibt und die US-Notenbank (Fed) am Ende gezwungen sein könnte, die Zinssätze länger auf einem höheren Niveau zu halten. Er bezeichnet die Inflation als den diesjährigen „potenziellen Störfaktor“ für die Wirtschaft (skunk at the party).

Mehrschichtige Auswirkungen des Krieges auf die Wirtschaft

Dimon macht deutlich, dass die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Wirtschaft vielschichtig sind. Ein sprunghafter Anstieg der Ölpreise würde die Benzinpreise und die Herstellungskosten direkt in die Höhe treiben, aber das noch tiefere Risiko liegt in der Umstrukturierung der globalen Lieferketten. Die USA hätten den Befehl erteilt, die Straße von Hormus offiziell zu blockieren. Diese Engstelle, die einen Großteil des globalen Öltransports – rund 20 % – trägt, ist genau die Konkretisierung des von Dimon befürchteten „Rohstoffpreisschocks“.

Zwickmühle der Fed

Wenn die Inflation durch den Krieg wieder anzieht, steht die Fed vor einer Zwickmühle: Entweder die hohen Zinsen beibehalten, um die Inflation zu bremsen, dabei aber das Risiko einer gedämpften Wirtschaftsentwicklung eingehen; oder die Zinsen senken, um die Wirtschaft zu stützen, dabei jedoch in Kauf nehmen, die Inflation außer Kontrolle geraten zu lassen. Dimons Einschätzung tendiert zur ersten Option – die Zinssätze könnten länger auf einem höheren Niveau bleiben als vom Markt erwartet.

Das überlagert sich mit den Auswirkungen von Trumps Drohung, China mit 50% zusätzlichen Zöllen zu belegen – denn Zölle sind an sich schon ein Inflations-Treiber. Zusammen mit einem sprunghaften Anstieg der Energiepreise wird der doppelte Inflationsdruck dazu führen, dass der Zeitpunkt einer Zins- senkung durch die Fed noch schwerer vorherzusagen ist.

Implikationen für den Kryptomarkt

Zinssätze auf hohem Niveau sind für den Kryptomarkt ein zweischneidiges Schwert. Kurzfristig senkt das Umfeld hoher Zinsen die Attraktivität von Risk Assets, weil eine risikofreie Rendite (wie z. B. US-Staatsanleihen) wettbewerbsfähiger ist. Aber aus mittelfristiger und langfristiger Sicht stärkt der Inflationsdruck die Erzählung, dass Bitcoin ein „Inflationsschutz-Asset“ ist – das ist auch eines der Argumente dafür, warum Strategy in diesem Moment verstärkt in Bitcoin investiert.

Trotzdem ist Dimon weiterhin positiv gegenüber der US-Wirtschaft insgesamt und sagt: „Die US-Wirtschaft ist nach wie vor widerstandsfähig. Die Verbraucher verdienen noch Geld und konsumieren. Die Unternehmen sind immer noch gesund.“ Er warnt jedoch, dass diese Widerstandsfähigkeit durch die wirtschaftlichen Schocks, die der Krieg mit sich bringt, geschwächt werden könnte.

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