
Am Sonntag nach Börsenschluss in den USA stiegen die Ölpreise innerhalb kurzer Zeit von 95 USD pro Barrel auf 113,7 USD, ein Anstieg von fast 20 %, was den höchsten Stand seit Anfang des russisch-ukrainischen Krieges im April 2022 darstellt und eine weltweite Energieknappheit auslöste. Davon betroffen fiel Bitcoin zeitweise auf 65.725 USD, der vierte aufeinanderfolgende Tag mit Kursverlusten.

(Quelle: Trading View)
Der Auslöser für den Ölpreisanstieg war eine dringende Warnung aus dem Irak: Aufgrund iranischer Drohungen, die Hormuzstraße zu blockieren, könnten täglich etwa 3 Millionen Barrel Öl vom globalen Markt abgezogen werden. Die Hormuzstraße ist die wichtigste Schifffahrtsroute für Öl weltweit und macht etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels aus. Bei einer Blockade würde die globale Energieversorgung erheblich beeinträchtigt, was größere Auswirkungen hätte als die Produktionsänderungen einzelner Ölproduzenten.
Letzte Woche hatten die USA und ihre Verbündeten durch militärische Aktionen gegen den Iran die Ölpreise bereits um mehr als 30 % steigen lassen. Die Drohung Irans, die Straße zu blockieren, verstärkte die Befürchtungen eines Lieferkettenbruchs. Die Ölpreise sanken anschließend wieder und liegen aktuell bei etwa 105 USD pro Barrel.
Zum Anstieg der Ölpreise sagte US-Präsident Trump am Samstag gegenüber Reportern: „Wir haben den Anstieg der Ölpreise vorhergesehen. Aber die Preise werden auch fallen, und zwar sehr schnell. Wir haben viel Öl – unsere Reserven sind sehr reichlich – dieses Problem wird bald gelöst sein.“ Er schloss zudem die Notwendigkeit aus, strategische Ölreserven zu mobilisieren.
Nach Bekanntwerden der US- und israelischen Luftangriffe auf den Iran stieg Bitcoin kurzfristig von unter 64.000 USD auf 73.770 USD am Mittwoch, getrieben durch eine Flucht in sichere Anlagen. Mit der allmählichen Verarbeitung der ersten Schocknachrichten begann Bitcoin jedoch, Druck nach unten zu entwickeln:

(Quelle: Trading View)
Historisch gesehen sind Rücksetzer von 40 % bis 60 % im Bullenmarkt bei Bitcoin keine Seltenheit: 2017 fiel Bitcoin von 20.000 USD auf 10.000 USD, 2021 von 64.000 USD auf 30.000 USD. Aktuell liegt der Kurs bei etwa 66.000 USD, nachdem er vom Höchststand bei 127.000 USD um rund 48 % gefallen ist, was im Rahmen der historischen Muster liegt.
Der zentrale technische Punkt ist, ob die kritische Unterstützung bei 62.000 bis 64.000 USD gehalten werden kann. Bei einem Bruch dieser Zone könnten die nächsten wichtigen Unterstützungen bei 58.000 bis 60.000 USD liegen. Für eine Erholung ist es notwendig, wieder die psychologische Marke von 70.000 USD zu überwinden und die vorherigen Widerstände bei 75.000 bis 80.000 USD zu durchbrechen.
Der plötzliche Anstieg der Ölpreise löst globale Inflationsängste aus, was Investoren dazu veranlasst, riskante Anlagen abzubauen. Bitcoin als risikoreiche Anlage mit hohem Beta reagiert in solchen Phasen meist zuerst mit Kursverlusten. Zudem erhöhen steigende Energiekosten die Betriebskosten für Bitcoin-Miner, was zu Verkaufsdruck führen kann.
Die Trump-Regierung erklärte, der Ölpreisanstieg sei nur vorübergehend, da die US-Reserven ausreichend seien. Solange sich die Lage im Nahen Osten nicht verschärft, könnten die Panikverkäufe durch den Ölpreisanstieg mit der Marktstabilisierung abklingen. Der größere Abwärtsdruck bei Bitcoin stammt jedoch aus der technischen Korrektur seit dem Hoch bei 127.000 USD und ist unabhängig von geopolitischen Faktoren.
Dazu gibt es keine endgültige Aussage. Historisch gesehen sind Rückgänge von 40 % bis 60 % im Bullenmarkt normal. Die entscheidende technische Unterstützung liegt bei 62.000 bis 64.000 USD. Ob diese gehalten werden kann, ist der wichtigste Indikator für die kurzfristige Trendrichtung.