Eine neue Studie von ARK Invest warnt, dass etwa 6,9 Millionen Bitcoin – im Wert von geschätzten 483 Milliarden USD bei einem Durchschnittspreis von 70.000 USD – in Zukunft durch Quantencomputer angegriffen werden könnten.
Diese Bedrohung konzentriert sich auf das elliptische Kurvenkryptosystem (ECC), das die Sicherheitsgrundlage für den Besitz von Bitcoin durch digitale Signaturen bildet. Konkret verwendet Bitcoin den Algorithmus ECDSA auf der secp256k1-Kurve, um die Sicherheit der Transaktionen zu gewährleisten.
Die Menge an Bitcoin ist anfällig für Quantenbedrohungen | Quelle: Ark Invest und UnchainedLaut ARK-Analysen könnten Quantencomputer, mit Fähigkeiten wie dem Shor-Algorithmus, theoretisch private Schlüssel aus öffentlichen Schlüsseln extrahieren. Dies würde es böswilligen Akteuren ermöglichen, Vermögenswerte aus Bitcoin-Wallets zu stehlen. Allerdings ist diese Bedrohung nicht gleichmäßig im Netzwerk verteilt.
Der Bericht schätzt, dass etwa 1,7 Millionen Bitcoin in alten Adressformaten wie P2PK liegen, bei denen der öffentliche Schlüssel öffentlich auf der Blockchain sichtbar ist. Die meisten dieser Bitcoin gelten als verloren und können nicht auf sicherere Adressen übertragen werden.
Darüber hinaus sind etwa 5,2 Millionen Bitcoin ebenfalls technisch anfällig. Diese könnten jedoch geschützt werden, wenn die Besitzer ihre Vermögenswerte rechtzeitig auf neue Adressformate umziehen, bevor die Quanten-Technologie gefährlich wird.
Insgesamt könnten etwa ein Drittel des gesamten Bitcoin-Angebots im schlimmsten Fall durch die Quanten-Technologie bedroht sein.
Dennoch betonen Experten, dass die aktuelle Quantencomputing-Technologie noch nicht fortgeschritten genug ist, um eine unmittelbare Gefahr darzustellen. Derzeit befinden sich Quantencomputer in der Phase des sogenannten „Rauschenden Mittelmaß-Quantenzeitalters“ (Noisy Intermediate-Scale Quantum – NISQ).
Die derzeitigen Testsysteme verfügen nur über weniger als 100 logische Qubits und weisen eine hohe Fehlerquote auf. Um die 256-Bit-elliptische Kurve von Bitcoin zu knacken, wären Tausende stabile logische Qubits und Milliarden von Quantenoperationen erforderlich.
Daher sieht ARK die Quantenbedrohung für Bitcoin als einen allmählichen technologischen Entwicklungsprozess, nicht als ein plötzliches oder unerwartetes Ereignis.
Obwohl die Bedrohung noch nicht unmittelbar ist, bereitet sich das Bitcoin-Ökosystem bereits auf dieses Szenario vor. Ein kürzlich vorgeschlagener Upgrade-Entwurf, BIP-360, soll Adressstrukturen einführen, die gegen Quantenangriffe resistent sind und gleichzeitig mit Taproot kompatibel sind. Dies wird es dem Bitcoin-Netzwerk ermöglichen, schrittweise auf post-quantenkryptografische Lösungen umzusteigen, wenn es notwendig wird.
Derzeit besteht die größte Herausforderung nicht in sofortigen Quantenangriffen, sondern darin, die technologische Entwicklung genau zu verfolgen und Vermögenswerte rechtzeitig auf sicherere Formate zu übertragen.
Mit anderen Worten: Die Bedrohung durch Quantencomputer für Bitcoin hängt nicht nur von der Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung ab, sondern auch von der Fähigkeit des Netzwerks, sich anzupassen und Upgrades durchzuführen, bevor der „Sturm“ wirklich losbricht.