Silber wird nach einem starken Anstieg in dieser Woche bei etwa 88 US-Dollar gehandelt und steigt zusammen mit Gold, da Edelmetalle weiterhin defensive Kapitalzuflüsse verzeichnen. Der Ausbruch hat bereits Spekulationen über Versorgungsknappheit und eine mögliche Bewegung in Richtung 100 US-Dollar neu entfacht. Nun hat eine neue Behauptung, die auf X kursiert, diesem Narrativ zusätzlichen Schwung verliehen.
Der Finanzanalyst Tim Hack teilte einen Tweet und ein Diagramm, das argumentiert, dass die eskalierende Kartellgewalt in Mexiko die globale Silberproduktion stören könnte, was das Angebot erheblich verknappen würde. Seine These geht über die Preisdynamik hinaus. Sie konzentriert sich auf strukturelle Risiken für die physische Produktion.
Das Diagramm zeigt die weltweite Silberproduktion nach Ländern. Mexiko liegt fest an der Spitze mit etwa 202 Millionen Unzen jährlich; fast doppelt so viel wie China und Peru. Zusammen machen Mexiko und Peru einen bedeutenden Anteil an der globalen Bergbau-Silberproduktion aus, wobei Südamerika für etwa die Hälfte der weltweiten Produktion verantwortlich ist.
Seine Argumentation ist eindeutig: Wenn Mexiko anhaltende Betriebsstörungen erlebt, verknappt sich das globale Angebot sofort.
Quelle: X/@realTimHack
Hack weist auf die Kartellgewalt in Bergbauregionen hin und behauptet, dass steigende Silberpreise den Anreiz erhöhen könnten, Druck auf die Produzenten auszuüben. Seiner Ansicht nach können Sicherheitsrisiken so eskalieren, dass Bergbauunternehmen erwägen, den Betrieb einzustellen. Minen können Anlagen schützen, aber sie können Mitarbeiter außerhalb der Anlage nicht vollständig schützen. Anhaltende Instabilität erhöht die Betriebskosten und langfristige Risikobewertungen.
Selbst ein Bruchteil der mexikanischen Produktion, der gestört wird, würde den globalen Silbermarkt schnell spüren. Im Gegensatz zu Gold ist der Silbermarkt dünner und empfindlicher gegenüber Versorgungsschocks. Industrielle Nachfrage durch Solar, KI-Hardware und Elektronik hat in den letzten Jahren die Bestände bereits belastet.
Da Silber bereits auf 90 US-Dollar zusteuert, argumentiert Hack, dass jede glaubwürdige Bedrohung für die mexikanische Produktion eine Bewegung in Richtung 100 US-Dollar beschleunigen könnte.
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Hack geht noch einen Schritt weiter und verbindet die Versorgungsknappheit mit einer breiteren These eines physischen Engpasses. Er fragt, ob langfristige strukturelle Engpässe bei Silberbeständen in Kombination mit Minenstörungen ein Szenario schaffen könnten, das er als „Mega-Squeeze“ beschreibt.
Die Logik ist einfach: Wenn Papiermärkte den Preis durch Derivate und Hebelstrukturen über die Zeit unterdrückt haben, würde ein echter physischer Mangel eine Neubewertung erzwingen. Ein plötzlicher, groß angelegter Mangel an Metall würde gleichzeitig Börsen, Raffinerien und Industriekäufer belasten.
Obwohl solche Behauptungen spekulativ und umstritten bleiben, ist die zugrunde liegende Marktrealität klar. Das Angebot-Nachfrage-Gleichgewicht bei Silber ist bereits nach historischen Maßstäben knapp. Die Bestände an Börsen in Schlüsselzentren sind rückläufig, und die industrielle Nachfrage wächst weiter.
Wenn Mexiko, der weltweit größte Silberproduzent, bedeutende Produktionsunterbrechungen erlebt, verschiebt sich die Angebotslage sofort.
Bei 88 US-Dollar befindet sich der Silberpreis bereits im Ausbruchsbereich. Die Marke von 100 US-Dollar ist psychologisch, aber in Rohstoffmärkten beschleunigen psychologische Marken oft die Dynamik, sobald sie durchbrochen werden.
Ob Kartellstörungen tatsächlich in einen messbaren Produktionsrückgang münden, bleibt abzuwarten. Für den Moment haben steigende Preise, schwindende Bestände und geopolitische Risiken Silber wieder ins Rampenlicht gerückt.
Und in einem so knappen Markt braucht es nicht viel, um das Gleichgewicht zu kippen.