Vereinigtes Königreich startet Pilotprojekt für digitale Staatsanleihen! Gemeinsam mit HSBC Orion Ausgabe von Blockchain-Staatsanleihen

Großbritannien startet Pilotprojekt für digitale Staatsanleihen DIGIT, arbeitet mit HSBC und Ashurst zusammen, um den ersten G7-Start zu sichern und ein neues Modell für die Emission von blockchain-basierten Souveränschuldverschreibungen zu erforschen.

Großbritannien sichert sich G7-Primus-Status, HSBC und Ashurst gehen gemeinsam voran

Das britische Finanzministerium (HM Treasury) kündigte kürzlich offiziell an, dass es die europäisch größte Bank HSBC Holdings sowie die international bekannte Anwaltskanzlei Ashurst ausgewählt hat, um gemeinsam das Pilotprojekt „Digitale Staatsanleihe (Digital Gilt)“ zu leiten. Diese Initiative namens „Digital Gilt Instrument“ (DIGIT) symbolisiert, dass Großbritannien bestrebt ist, das erste Land der G7 zu werden, das direkt auf der Blockchain eine Staatsanleihe emittiert.

Laut offiziellen Angaben sind digitale Staatsanleihen solche, die in Form digitaler Token auf einem Distributed Ledger System (DLT) ausgegeben werden.

Diese Zusammenarbeit ist nicht nur ein technischer Versuch, sondern auch eine konkrete Reaktion der britischen Regierung auf Marktkritik. Obwohl Finanzministerin Rachel Reeves bereits Ende 2024 die Pilotidee offenlegte, wurde Großbritannien im Vergleich zu Regionen wie Hongkong und Luxemburg, die bereits digitale Souveränschuldverschreibungen ausgegeben haben, als etwas rückständig angesehen. Das Finanzministerium wählte HSBC und Ashurst, um die technologische Kompetenz führender Finanzinstitute und die Expertise der Rechtsberatung zu bündeln und sicherzustellen, dass britische digitale Vermögenswerte in rechtlicher und durchsetzbarer Hinsicht international konkurrenzfähig bleiben.

Bildquelle: „Bloomberg“ Großbritanniens Finanzministerin Rachel Reeves

Das Programm wird im „Digital Securities Sandbox“ (DSS) der Bank of England laufen. Diese regulierte Testumgebung erlaubt es, Finanzinnovationen unter gelockerten regulatorischen Bedingungen zu erproben und bietet einen sicheren sowie flexiblen Rahmen für die Tokenisierung staatlicher Wertpapiere. Mit diesem Pilotprojekt hofft die britische Regierung, die rechtliche Stellung digitaler Vermögenswerte zu formalisieren und ihre Führungsrolle in der Finanzinnovationsbranche zu demonstrieren.

Verankert im Digital Securities Sandbox, HSBC Orion mit starker technischer Basis

Auf technischer Ebene wird das DIGIT-Pilotprojekt vollständig auf der Orion-Blockchain-Plattform von HSBC basieren. Die Orion-Plattform wurde 2023 eingeführt, ist speziell für institutionelle Kunden konzipiert und zielt darauf ab, traditionelle Finanzwerte und Zahlungsströme zu digitalisieren. Die Plattform verfügt über starke Integrationsfähigkeiten, kann globale Clearing-Netzwerke verbinden und die Transaktions- sowie Backend-Prozesse für Institutionen vereinfachen.

Patrick George, Global Head of Markets and Securities Services bei HSBC, betonte, dass Großbritannien die Heimatmarke von HSBC sei und als sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt sei es eine große Ehre, die Innovation im Anleihemarkt und das Wirtschaftswachstum zu unterstützen.

HSBC Orion ist kein reines Konzept, sondern verfügt bereits über umfangreiche praktische Erfahrungen im Bereich digitaler Anleihen. Bislang hat die Plattform weltweit mehr als 3,5 Milliarden digitaler Anleihen ausgegeben. Dazu gehören unter anderem in Luxemburg nach EU-Recht emittierte Pfund-basierte Anleihen für die Europäische Investitionsbank (EIB) sowie grüne Anleihen in mehreren Währungen im Wert von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar, die von der Hongkonger Regierung ausgegeben wurden – eines der größten tokenisierten Schuldtitel weltweit.

Laut Pilotplan wird DIGIT eine „native digitale“ kurzfristige Instrumente umfassen, die auf On-Chain-Abwicklung (On-chain Settlement) setzen. Bemerkenswert ist, dass diese experimentelle Anleihe unabhängig vom bestehenden britischen Schuldenmanagementprogramm (Debt Management Programme) betrieben wird, um sicherzustellen, dass der Pilotprozess keine unnötigen Störungen auf dem traditionellen Anleihemarkt verursacht. Das Finanzministerium steht zudem im Kontakt mit weiteren Anbietern, um die digitale Infrastruktur gemeinsam aufzubauen und künftig eine breitere Palette tokenisierter Finanzprodukte zu unterstützen.

Streben nach atomarer Abwicklung, drastische Reduktion von Betriebskosten

Der Kernantrieb für das britische Vorhaben digitaler Staatsanleihen ist die „Effizienz“. HSBC erklärte in einer Mitteilung, dass die Ausgabe digitaler Anleihen auf Blockchain das Potenzial hat, die Struktur des britischen Schuldenkapitalmarkts erheblich zu verbessern, wobei der größte Vorteil die drastische Verkürzung der Abwicklungszeiten ist. Traditionelle Anleihemärkte benötigen oft mehrere Tage für die Abwicklung, während durch die „atomare Abwicklung“ (Atomic Settlement) auf der Blockchain Transaktionen in Sekundenschnelle abgeschlossen werden können, was die Kapitalbindung und Liquiditätsrisiken der Marktteilnehmer reduziert.

Neben der Geschwindigkeit kann die Digitalisierung auch die Betriebskosten deutlich senken. Durch Smart Contracts, die automatisch Zinszahlungen, Rückkäufe und andere administrative Prozesse abwickeln, können Regierungen und Finanzinstitute den manuellen Aufwand verringern, Fehlerquellen minimieren und die Back-Office-Kosten reduzieren.

Lucy Rigby, Wirtschaftssekretärin des britischen Finanzministeriums, betonte, dass die Regierung durch das DIGIT-Pilotprojekt besser verstehen möchte, wie Distributed Ledger Technology (DLT) Investitionen anziehen kann, und Großbritannien zu einem der attraktivsten Standorte für Geschäfte in der digitalen Finanzwelt machen will.

Bildquelle: X/@LucyRigby, Wirtschaftssekretärin des britischen Finanzministeriums Lucy Rigby

Rigby fügte hinzu, dass diese Finanzinnovation entscheidend sei, um Großbritannien an der Spitze der globalen Kapitalmärkte zu halten. Der digitale Staatsanleihen-Pilot sei nicht nur eine technologische „Digitalisierung“, sondern auch eine Aufwertung der Marktstruktur, mit dem Ziel, einen inklusiveren, transparenteren und zugänglicheren Sekundärmarkt zu schaffen. Für Investoren bedeute dies niedrigere Eintrittsbarrieren und höhere Marktliquidität; für Emittenten eine effizientere Kapitalaufnahme und modernisierte Schuldenverwaltung.

Rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen noch unzureichend, Herausforderungen bei der Transformation der Finanzmacht

Trotz der soliden technischen Basis und staatlicher Unterstützung stehen Großbritanniens digitale Staatsanleihen vor erheblichen Herausforderungen bei der Skalierung vom Pilot- zum Massenmarkt.

Etay Katz, Leiter Digital Assets bei Ashurst, erklärte, sein Team verfüge über umfangreiche Erfahrung im Handel mit digitalen Vermögenswerten und freue sich darauf, die Regierung bei diesem transformativen Pilotprojekt zu unterstützen.

Allerdings sind Branchenexperten sich einig, dass für die Etablierung digitaler Staatsanleihen als reguläres Instrument auf dem britischen Markt die rechtlichen Rahmenbedingungen und steuerlichen Regelungen weiter geklärt und angepasst werden müssen.

Derzeit bestehen in Bezug auf Steuerbehandlung, Eigentumsrechte und Sicherheitenbegriff noch viele Unklarheiten, die mit traditionellen Gesetzen nicht vollständig kompatibel sind. Ohne klare rechtliche Grundlagen könnten Mainstream-Investoren bei regulatorischen Prüfungen zögern, was die Markttiefe digitaler Staatsanleihen einschränken würde. Daher ist eine weitere Aufgabe des Pilotprojekts, durch praktische Erfahrungen im Sandbox-Umfeld Daten und Fallbeispiele zu sammeln, um eine langfristige regulatorische Architektur zu entwickeln.

Gleichzeitig besteht globaler Wettbewerbsdruck. Hongkongs Finanzminister Paul Chan kündigte kürzlich an, die Tokenisierung grüner Anleihen in Hongkong zu institutionalisierten, was den starken Willen anderer Finanzzentren zeigt, „die Hauptstadt der digitalen Vermögenswerte“ zu werden. Obwohl Großbritannien mit Plattformen wie HSBC Orion bereits über eine skalierte Infrastruktur verfügt, ist die Umsetzungspolitik noch zügiger voranzutreiben.

Wie das Finanzministerium betonte, ist der Wettstreit um die Digitalisierung von Souveränschuldverschreibungen im Kern ein Kampf um die Kontrolle über die zukünftige Finanzmarkt-Infrastruktur. Nur Länder, die eine Balance zwischen Effizienz und Sicherheit finden, werden in der Lage sein, in der digitalen Finanzwelt an der Spitze zu bleiben.

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