Der Einzelhandel hat in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen, wobei private Anleger heute einen wachsenden Anteil am Marktgeschehen ausmachen. R. David McLean, Jeffrey Pontiff und Christopher Reilly, die Autoren der Studie „Taking Sides on Return Predictability“, veröffentlicht im November 2025 in The Journal of Financial Economics, untersuchten, wie verschiedene Anlegertypen tatsächlich abschneiden. Ihre Ergebnisse liefern Einblicke, wer kluge Trades macht und wer nicht.
Was die Forscher untersuchten
Diese Studie stellt die bisher umfassendste Analyse der Marktteilnahme dar. Die Autoren analysierten das Handelsverhalten von neun verschiedenen Marktteilnehmergruppen:
Sechs Arten institutioneller Investoren: Investmentfonds, Banken, Versicherungen, Vermögensverwalter, Hedgefonds und andere Institutionen
Leerverkäufer: vor allem Hedgefonds, die gegen Aktien wetten
Unternehmen selbst: durch Aktienrückkäufe und Emissionen
Retail-Investoren: private Anleger
Die Forscher untersuchten die Handelsmuster dieser Gruppen anhand von 130 verschiedenen Aktienrendite-Anomalien – Eigenschaften, die wissenschaftliche Studien als Prädiktoren für zukünftige Aktienperformance gezeigt haben. Sie berechneten Veränderungen im Besitz über die ein- und dreijährigen Perioden vor dem Monat, in dem die Anomalievariablen erstellt wurden. Diese Messung zeigte, wie sich jeder Marktteilnehmer in den Jahren vor der Portfoliobildung verändert hat. Der Datenzeitraum reichte von Oktober 2006 bis Dezember 2017.
Die wichtigsten Erkenntnisse: Gewinner und Verlierer
Das kluge Geld: Unternehmen und Leerverkäufer
Unternehmen erwiesen sich als die informiertensten Trader. Wenn Firmen eigene Aktien ausgeben oder zurückkaufen, liegen sie meist richtig. Unternehmen mit den niedrigsten erwarteten Renditen gaben die meisten Aktien aus, während solche mit höheren erwarteten Renditen eher Aktien zurückkauften. Die 130 Prädiktorvariablen erklärten 32 % der Variationen bei Aktienemissionen über drei Jahre. Selbst nach Berücksichtigung aller öffentlich verfügbaren Informationen, die in den Anomalievariablen reflektiert sind, sagten die Handelsaktivitäten der Unternehmen die Renditen weiterhin voraus. Unternehmensinsider wissen etwas, das der Rest nicht weiß.
Leerverkäufer waren die zweitinformierteste Gruppe. Sie konzentrierten sich systematisch auf Aktien mit niedrigen erwarteten Renditen, und ihre Trades sagten niedrigere zukünftige Renditen voraus. Nachdem die Forscher die 130 Anomalievariablen kontrollierten, verschwand die Vorhersagekraft der Leerverkäufer weitgehend. Das führte die Autoren zu der Schlussfolgerung, dass Leerverkäufer im Gegensatz zu Unternehmen kaum über private Informationen verfügen – ihr Erfolg basiert auf der effektiven Nutzung öffentlich zugänglicher Daten.
Das kämpfende Geld: Retail-Investoren
Die schlechte Nachricht für private Anleger ist eindeutig. Retail-Investoren trafen die schlechtesten Handelsentscheidungen:
Sie kauften Aktien mit niedrigen erwarteten Renditen und verkauften Aktien mit hohen erwarteten Renditen.
Ihre kumulierten Trades über ein- und drei Jahre sagten Renditen entgegengesetzt zu ihrer beabsichtigten Richtung voraus.
Die 130 Anomalievariablen erklärten 18 % ihrer Handelsmuster über drei Jahre.
Es gibt jedoch ein kurioses Paradoxon: Während die langfristigen kumulierten Trades der Retail-Investoren schlechte Renditen vorhersagten, sagten ihre kurzfristigen Handelsspitzen (wöchentlich gemessen) tatsächlich positive Renditen voraus. Diese Erkenntnis stimmt mit früheren Studien überein. Die Autoren schlussfolgerten: „Diese Ergebnisse zeigen, dass temporäre Spitzen im Retail-Handel (also wöchentliche Handelsungleichgewichte) die Renditen in die beabsichtigte Richtung vorhersagen, während der über längere Zeiträume aggregierte Retail-Handel (unsere Variable) die Renditen in die unbeabsichtigte Richtung prognostiziert.“
Das neutrale Geld: Institutionelle Investoren
Überraschenderweise zeigte keine der sechs Gruppen institutioneller Investoren eine robuste Fähigkeit zur Renditeprognose:
Alle institutionellen Gruppen hielten mehr Aktien mit niedrigen als mit hohen erwarteten Renditen – Institutionen tragen zu Anomalien bei!
Die Anomalievariablen erklärten nur 5 % oder weniger der Handelsaktivitäten über drei Jahre.
Das Handelsverhalten institutioneller Investoren erscheint weitgehend zufällig in Bezug auf zukünftige Renditen.
Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei Hedgefonds. Während Hedgefonds beim Leerverkauf (sehr informierte Strategie) hervorragend abschnitten, waren ihre Long-Positionen in Aktien schlecht positioniert im Vergleich zu Anomalien und sagten keine positiven Renditen voraus.
Fazit für Investoren
Seien Sie bescheiden bei Ihren Aktienauswahlfähigkeiten
Wenn professionelle institutionelle Investoren mit umfangreichen Ressourcen keine konstanten Gewinner sind, sollten private Anleger realistisch bleiben. Die Daten zeigen, dass Retail-Handelsentscheidungen tendenziell unterdurchschnittlich abschneiden.
Beobachten Sie Unternehmensinsider
Achten Sie auf Aktivitäten bei Aktienrückkäufen und Emissionen. Wenn Unternehmen Aktien aggressiv zurückkaufen, ist das oft ein positives Signal. Umgekehrt kann eine starke Aktienemission darauf hindeuten, dass das Management die Aktie für überbewertet hält.
Leerverkaufs-Interesse enthält Informationen
Hohe Leerverkaufsquoten sind nicht nur Marktrauschen – sie spiegeln informierte Analysen wider (auch wenn sie auf öffentlich verfügbaren Daten basieren). Aktien mit steigender Leerverkaufsquote tendieren dazu, unterdurchschnittlich abzuschneiden.
Übertraden Sie nicht
Die Erkenntnis, dass kurzfristige Handelsspitzen der Retail-Investoren positive Renditen vorhersagen, ihre langfristigen Positionen jedoch negative, deutet darauf hin, dass häufiges Handeln und ständiges Rebalancing schädlich sein können.
Institutionelle Investoren sind keine Zauberer
Nur weil Investmentfonds oder andere Institutionen eine Aktie kaufen, bedeutet das nicht, dass es eine gute Investition ist. Die Daten zeigen, dass die Positionierung institutioneller Investoren im Vergleich zu vorhersehbaren Renditemustern schlecht ist.
Passive Strategien in Betracht ziehen
Da selbst professionelle institutionelle Investoren Schwierigkeiten haben, sich vorteilhaft zu positionieren, wird passives Index- oder systematisches quantitativen Investieren umso attraktiver.
Fazit
Diese Forschung zeichnet ein ernüchterndes Bild für aktive Investoren. Die am besten informierten Teilnehmer – Unternehmen, die ihre eigenen Aktien handeln, und Leerverkäufer – verfügen über klare Informations- oder Analysevorteile. Gleichzeitig haben Retail-Investoren und Institutionen Schwierigkeiten, sich auf der richtigen Seite vorhersehbarer Renditemuster zu positionieren.
Für die meisten privaten Anleger ist die Botschaft eindeutig: Demut und systematische, passive Strategien schlagen Überconfidence und aktives Trading. Wenn Sie keine echten Informationsvorteile besitzen (was Sie wahrscheinlich nicht tun), bleibt eine kostengünstige, diversifizierte Buy-and-Hold-Strategie die beste Wahl für langfristigen Vermögensaufbau.
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Unternehmen gewinnen am Aktienmarkt. Hier ist ein neuer Plan für alle anderen
Der Einzelhandel hat in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen, wobei private Anleger heute einen wachsenden Anteil am Marktgeschehen ausmachen. R. David McLean, Jeffrey Pontiff und Christopher Reilly, die Autoren der Studie „Taking Sides on Return Predictability“, veröffentlicht im November 2025 in The Journal of Financial Economics, untersuchten, wie verschiedene Anlegertypen tatsächlich abschneiden. Ihre Ergebnisse liefern Einblicke, wer kluge Trades macht und wer nicht.
Was die Forscher untersuchten
Diese Studie stellt die bisher umfassendste Analyse der Marktteilnahme dar. Die Autoren analysierten das Handelsverhalten von neun verschiedenen Marktteilnehmergruppen:
Die Forscher untersuchten die Handelsmuster dieser Gruppen anhand von 130 verschiedenen Aktienrendite-Anomalien – Eigenschaften, die wissenschaftliche Studien als Prädiktoren für zukünftige Aktienperformance gezeigt haben. Sie berechneten Veränderungen im Besitz über die ein- und dreijährigen Perioden vor dem Monat, in dem die Anomalievariablen erstellt wurden. Diese Messung zeigte, wie sich jeder Marktteilnehmer in den Jahren vor der Portfoliobildung verändert hat. Der Datenzeitraum reichte von Oktober 2006 bis Dezember 2017.
Die wichtigsten Erkenntnisse: Gewinner und Verlierer
Das kluge Geld: Unternehmen und Leerverkäufer
Unternehmen erwiesen sich als die informiertensten Trader. Wenn Firmen eigene Aktien ausgeben oder zurückkaufen, liegen sie meist richtig. Unternehmen mit den niedrigsten erwarteten Renditen gaben die meisten Aktien aus, während solche mit höheren erwarteten Renditen eher Aktien zurückkauften. Die 130 Prädiktorvariablen erklärten 32 % der Variationen bei Aktienemissionen über drei Jahre. Selbst nach Berücksichtigung aller öffentlich verfügbaren Informationen, die in den Anomalievariablen reflektiert sind, sagten die Handelsaktivitäten der Unternehmen die Renditen weiterhin voraus. Unternehmensinsider wissen etwas, das der Rest nicht weiß.
Leerverkäufer waren die zweitinformierteste Gruppe. Sie konzentrierten sich systematisch auf Aktien mit niedrigen erwarteten Renditen, und ihre Trades sagten niedrigere zukünftige Renditen voraus. Nachdem die Forscher die 130 Anomalievariablen kontrollierten, verschwand die Vorhersagekraft der Leerverkäufer weitgehend. Das führte die Autoren zu der Schlussfolgerung, dass Leerverkäufer im Gegensatz zu Unternehmen kaum über private Informationen verfügen – ihr Erfolg basiert auf der effektiven Nutzung öffentlich zugänglicher Daten.
Das kämpfende Geld: Retail-Investoren
Die schlechte Nachricht für private Anleger ist eindeutig. Retail-Investoren trafen die schlechtesten Handelsentscheidungen:
Es gibt jedoch ein kurioses Paradoxon: Während die langfristigen kumulierten Trades der Retail-Investoren schlechte Renditen vorhersagten, sagten ihre kurzfristigen Handelsspitzen (wöchentlich gemessen) tatsächlich positive Renditen voraus. Diese Erkenntnis stimmt mit früheren Studien überein. Die Autoren schlussfolgerten: „Diese Ergebnisse zeigen, dass temporäre Spitzen im Retail-Handel (also wöchentliche Handelsungleichgewichte) die Renditen in die beabsichtigte Richtung vorhersagen, während der über längere Zeiträume aggregierte Retail-Handel (unsere Variable) die Renditen in die unbeabsichtigte Richtung prognostiziert.“
Das neutrale Geld: Institutionelle Investoren
Überraschenderweise zeigte keine der sechs Gruppen institutioneller Investoren eine robuste Fähigkeit zur Renditeprognose:
Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei Hedgefonds. Während Hedgefonds beim Leerverkauf (sehr informierte Strategie) hervorragend abschnitten, waren ihre Long-Positionen in Aktien schlecht positioniert im Vergleich zu Anomalien und sagten keine positiven Renditen voraus.
Fazit für Investoren
Wenn professionelle institutionelle Investoren mit umfangreichen Ressourcen keine konstanten Gewinner sind, sollten private Anleger realistisch bleiben. Die Daten zeigen, dass Retail-Handelsentscheidungen tendenziell unterdurchschnittlich abschneiden.
Achten Sie auf Aktivitäten bei Aktienrückkäufen und Emissionen. Wenn Unternehmen Aktien aggressiv zurückkaufen, ist das oft ein positives Signal. Umgekehrt kann eine starke Aktienemission darauf hindeuten, dass das Management die Aktie für überbewertet hält.
Hohe Leerverkaufsquoten sind nicht nur Marktrauschen – sie spiegeln informierte Analysen wider (auch wenn sie auf öffentlich verfügbaren Daten basieren). Aktien mit steigender Leerverkaufsquote tendieren dazu, unterdurchschnittlich abzuschneiden.
Die Erkenntnis, dass kurzfristige Handelsspitzen der Retail-Investoren positive Renditen vorhersagen, ihre langfristigen Positionen jedoch negative, deutet darauf hin, dass häufiges Handeln und ständiges Rebalancing schädlich sein können.
Nur weil Investmentfonds oder andere Institutionen eine Aktie kaufen, bedeutet das nicht, dass es eine gute Investition ist. Die Daten zeigen, dass die Positionierung institutioneller Investoren im Vergleich zu vorhersehbaren Renditemustern schlecht ist.
Da selbst professionelle institutionelle Investoren Schwierigkeiten haben, sich vorteilhaft zu positionieren, wird passives Index- oder systematisches quantitativen Investieren umso attraktiver.
Fazit
Diese Forschung zeichnet ein ernüchterndes Bild für aktive Investoren. Die am besten informierten Teilnehmer – Unternehmen, die ihre eigenen Aktien handeln, und Leerverkäufer – verfügen über klare Informations- oder Analysevorteile. Gleichzeitig haben Retail-Investoren und Institutionen Schwierigkeiten, sich auf der richtigen Seite vorhersehbarer Renditemuster zu positionieren.
Für die meisten privaten Anleger ist die Botschaft eindeutig: Demut und systematische, passive Strategien schlagen Überconfidence und aktives Trading. Wenn Sie keine echten Informationsvorteile besitzen (was Sie wahrscheinlich nicht tun), bleibt eine kostengünstige, diversifizierte Buy-and-Hold-Strategie die beste Wahl für langfristigen Vermögensaufbau.