Autor: Fenrir, Krypto-Stadt
Federal Reserve veröffentlicht Leitlinien: Tokenisierte Wertpapiere unterliegen denselben aufsichtsrechtlichen Kapitalstandards wie traditionelle Wertpapiere Die US-Notenbank (Fed) hat kürzlich gemeinsam mit der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) und der Office of the Comptroller of the Currency (OCC) ein neues FAQ-Dokument veröffentlicht, das die aufsichtsrechtliche Behandlung von tokenisierten Wertpapieren (Tokenized Securities) erklärt. Die Aufsichtsbehörden stellen klar, dass Banken beim Halten oder Verarbeiten tokenisierter Wertpapiere die gleichen Kapitalanforderungen wie bei traditionellen Wertpapieren einhalten müssen. Das Dokument weist darauf hin, dass die technische Form der Emission oder des Handels von Wertpapieren (z.B. Nutzung von Blockchain oder Distributed Ledger Technology) in der Regel keine Änderung der aufsichtsrechtlichen Behandlung dieser Vermögenswerte bewirkt. Solange die rechtlichen Rechte und Risikostrukturen des Vermögenswerts mit denen eines traditionellen Wertpapiers übereinstimmen, sollten die Kapitalanforderungen gleich bleiben. Die Bankenaufsichtsbehörden betonen, dass diese Vorgehensweise das Prinzip der „Technologieneutralität“ widerspiegelt. Die rechtliche Natur und Risikobewertung von Finanzvermögenswerten sind die zentralen Kriterien für die Kapitalregeln; die Emissionsform und die technische Plattform beeinflussen diese aufsichtsrechtlichen Vorgaben nicht.
Blockchain-Form beeinflusst die aufsichtsrechtlichen Anforderungen nicht, Kapitalregeln bleiben gleich Im Rahmen der Bankenregulierung ist die Eigenkapitalquote eine zentrale Kennzahl. Banken müssen einen bestimmten Anteil an hochwertigem Kapital und liquiden Vermögenswerten vorhalten, um Marktschwankungen und potenzielle Verluste abzufedern. Die Aufsichtsbehörden haben klargestellt, dass, wenn ein Wertpapier bereits als qualifizierter Finanzvermögenswert anerkannt ist, die tokenisierte Form dessen keine Änderung in der Kapitalberechnung bewirkt. Beispielsweise sollte die Kapitalanforderung für eine tokenisierte Anleihe oder Aktie auf der Bankbilanz identisch sein mit der nicht-tokenisierten Version. Die Aufsichtsbehörden betonen außerdem, dass tokenisierte Wertpapiere unter Einhaltung bestehender rechtlicher und risikomanagerischer Vorgaben als Finanzsicherheiten genutzt werden können. Bei der Verwendung dieser Vermögenswerte als Sicherheiten müssen Banken die gleichen Abschläge (Haircuts) und Risikomanagementstandards wie bei traditionellen Wertpapieren einhalten. Darüber hinaus wird besonders hervorgehoben, dass die Blockchain-Form keine Auswirkungen auf die Kapitalbehandlung hat. Egal, ob tokenisierte Wertpapiere auf permissioned oder permissionless Blockchains ausgegeben oder gehandelt werden, die aufsichtsrechtlichen Kapitalregeln bleiben unverändert.
Schnelles Wachstum tokenisierter Vermögenswerte beschleunigt Klärung der Anwendbarkeit von Regeln
In den letzten Jahren haben Finanzinstitute aktiv traditionelle Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen und Immobilien in digitale Token auf Blockchain-Plattformen umgewandelt, um Transaktionsgeschwindigkeit und Marktliquidität zu erhöhen.
Laut Daten des Marktforschungsunternehmens RWA.xyz beträgt die weltweite Marktgröße für tokenisierte Real-World Assets (RWA) derzeit etwa 26,25 Milliarden US-Dollar, wobei tokenisierte US-Staatsanleihen den größten Anteil ausmachen. Der Markt für tokenisierte Aktien liegt bei etwa 1,1 Milliarden US-Dollar und befindet sich noch in der Frühphase der Entwicklung.
Bildquelle: RWA.xyz Weltweite Marktgröße für tokenisierte Real-World Assets (RWA) ca. 26,25 Milliarden USD
Branchenexperten sind der Meinung, dass tokenisierte Wertpapiere zahlreiche Effizienzsteigerungen bringen können, darunter 24-Stunden-Handel, sofortige Abwicklung und niedrigere Transaktionskosten. Einige Handelsplattformen und Fintech-Unternehmen haben bereits tokenisierte Aktienprodukte auf dem europäischen Markt eingeführt, die es Investoren ermöglichen, traditionelle börsennotierte Aktien über Blockchain zu handeln. Dennoch müssen tokenisierte Wertpapiere rechtlich und regulatorisch weiterhin mit dem traditionellen Finanzsystem verknüpft sein. Die US-Börsenaufsicht SEC hat bereits Anfang dieses Jahres klargestellt, dass tokenisierte Wertpapiere unter die Bundeswertpapiergesetze fallen und die gleichen Registrierung-, Offenlegungs- und Anlegerschutzbestimmungen erfüllen müssen.
US-SEC klärt „Tokenisierte Wertpapiere“-Regelung, vollumfängliche Einbindung in Wertpapiergesetze
Schrittweise Klarheit in der Regulierung Die Veröffentlichung der Erklärungen durch die Fed und andere Bankenaufsichtsbehörden ist ein bedeutendes Signal für die schrittweise Integration von Blockchain-Finanzierungen in das Bankensystem. In den vergangenen Jahren waren die US-Bankenaufsichtsbehörden bei Krypto-Assets und Blockchain-Technologien eher vorsichtig, was die Umsetzung entsprechender Geschäftsmodelle erschwerte. Mit wachsendem Interesse an tokenisierten Vermögenswerten beginnen die Regulierungsbehörden, die Anwendbarkeit bestehender Finanzgesetze auf Blockchain-Vermögenswerte zu klären. Der Kern der Kapitalregeln liegt darin, sicherzustellen, dass tokenisierte Wertpapiere keinen zusätzlichen Kapitalaufwand verursachen und nicht durch technische Formate strenger reguliert werden. Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Klarstellung der Kapitalregeln für die Bankenbranche von großer Bedeutung ist. Die Eigenkapitalquote ist eine der wichtigsten Beschränkungen für alle Geschäftsentscheidungen der Banken. Mit klareren Regulierungen wird es für Banken einfacher, Risiken und Kosten im Zusammenhang mit tokenisierten Wertpapieren zu bewerten. Tokenisierte Wertpapiere gelten als wichtige Brücke zwischen traditionellem Finanzwesen und Blockchain-Markt. Zukünftig wird die Zusammenarbeit zwischen Banken, Asset-Management-Firmen und Krypto-Finanzplattformen voraussichtlich mit der Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen zunehmen.