
Makroökonomin Lyn Alden sagte am Mittwoch in einem Podcast, dass sie nach dem jüngsten Allzeithoch bei Gold eine bessere Perspektive für die relative Performance von Bitcoin in den nächsten zwei bis drei Jahren sieht. Sie äußerte offen, dass die derzeitige negative Stimmung gegenüber Bitcoin „etwas zu unfair“ sei. Gleichzeitig zeigt der JM Gold Fear & Greed Index eine Stimmung von 72 Punkten (Gier), während der Crypto Fear & Greed Index für Bitcoin nur bei 18 Punkten (extreme Angst) liegt.
Aldens Kernthese basiert auf einem klaren Pendelmodell. Sie weist darauf hin, dass die relative Performance von Gold und Bitcoin historisch zyklisch schwankt: „In der Regel schwanken Gold- und Bitcoin-Preise wie ein Pendel zwischen beiden. Wenn der Goldpreis bereits stark gestiegen ist, wird die Regel der abnehmenden Erträge in einem neuen Zyklus wahrscheinlich durchbrochen.“
Gold erreichte im Januar dieses Jahres ein Allzeithoch von etwa 5.608 USD. Alden meint, dass die aktuelle Marktstimmung „etwas euphorisch, sogar leicht überhitzt“ sei, schließt jedoch eine Goldblase aus. Im Vergleich dazu erreichte Bitcoin im Oktober ein Allzeithoch von 126.000 USD, ist seitdem um etwa 44 % gefallen und liegt bei rund 71.164 USD. Die Anlegerstimmung ist in einem Zustand extremer Angst. Diese extreme Stimmungsspaltung lässt Alden glauben, dass das Risiko-Rendite-Verhältnis von Bitcoin attraktiver ist.
Es ist wichtig zu beachten, dass Alden auch bewusst flexibel in ihrer Analyse bleibt: „Gold und Bitcoin könnten gleichzeitig steigen oder fallen. Ich versuche, die Beziehung nicht zu absolut zu interpretieren.“
Kurz vor Aldens Aussagen äußerte der Milliardär und Investor Ray Dalio eine ganz andere Position. Am Dienstag erklärte Dalio öffentlich, dass Bitcoin nicht als langfristiger Wertspeicher oder Absicherungsinstrument geeignet sei, aus drei Gründen:
Fehlende Unterstützung durch Zentralbanken: Gold ist die zweitgrößte Reservehaltung der Zentralbanken weltweit und genießt staatliche Kreditwürdigkeit, während Bitcoin diese institutionelle Unterstützung fehlt.
Datenschutz- und Sicherheitsbedenken: Dalio äußerte Bedenken hinsichtlich der langfristigen Sicherheit von Bitcoin in Bezug auf Datenschutz und Schutz vor Quantencomputern.
Reife und Vertrauensbasis: Dalio bezeichnet Gold als „die reifste Währung“ und betont, dass seine jahrtausendealte Nutzung eine Vertrauensbasis schafft, die andere Vermögenswerte schwer replizieren können.
Die Differenzen zwischen den beiden Analysten spiegeln eine breitere Debatte auf dem Markt wider. Coinbase-CEO Brian Armstrong prognostiziert, dass Bitcoin bis etwa 2030 die Marke von 1 Million USD erreichen wird. Er sieht die Regulierung in den USA als entscheidenden Katalysator und bezeichnet die USA als „Leitmarkt für die G20“.
CryptoQuant-CEO Ki Young Ju wies im Oktober 2025 darauf hin, dass die Marktteilnehmer zunehmend Bitcoin und Gold als Instrumente zur Absicherung gegen makroökonomische Unsicherheiten sehen. Die Korrelation der beiden Vermögenswerte nehme zu, und die traditionelle „Entweder-oder“-Logik werde durch eine „Koexistenz“-Strategie ersetzt.
Aldens Argumentation basiert auf dem zyklischen Pendelmodell: Nach einem starken Anstieg bei Gold in jüngster Zeit ist die Marginalrendite im nächsten Zyklus meist geringer; gleichzeitig befindet sich Bitcoin nach einem starken Rückgang in einer Phase extremer Angst (Fear Index 18), während Gold in einer Gierphase (72) ist. Diese Stimmungsschwankungen schaffen eine deutliche Arbitragemöglichkeit.
Dalios Argumente konzentrieren sich auf institutionelle Unterstützung und historische Reife: Gold wird von den wichtigsten Zentralbanken als zweitgrößte Reserve gehalten und besitzt eine jahrtausendealte Nutzung als „reifste Währung“. Bitcoin hingegen weist langfristige Unsicherheiten bei Akzeptanz durch Zentralbanken, Quantencomputersicherheit und Datenschutz auf.
Alden vermeidet eine Zero-Sum-Interpretation und betont, dass beide Vermögenswerte gleichzeitig steigen oder fallen können, abhängig von makroökonomischen Faktoren wie Liquidität und Dollar-Entwicklung. Daten von CryptoQuant zeigen, dass die Korrelation in Zeiten zunehmender Unsicherheit steigt, was auf eine ergänzende statt konkurrierende Asset-Allokation hindeutet.