
Das Quantentechnologie-Unternehmen PsiQuantum hat offiziell den Baubeginn seiner Million-Quantenbit-Anlage in Chicago bekannt gegeben. Im September kündigte das Unternehmen eine Finanzierung in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar an und arbeitet mit NVIDIA zusammen, um einen Quantencomputer mit 1 Million Qubits zu bauen. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass ein solcher Quantencomputer theoretisch in der Lage wäre, die Verschlüsselungstechnologien von Bitcoin zu knacken, was eine breite Diskussion in der Krypto-Community über Internetsicherheit ausgelöst hat.

(Quelle: Pete Shadbolt X)
PsiQuantum erklärt, dass die Kapazität der Anlage mit 1 Million Qubits einer Rechenleistung von mehreren Milliarden herkömmlicher Computer entspricht. Das zentrale Geschäftsmodell besteht darin, die praktische Nutzbarkeit von Quantencomputern zu ermöglichen und die grundlegende Recheninfrastruktur für die „Next-Generation-KI-Supercomputer“ bereitzustellen.
Zur Orientierung: Der größte Quantencomputer am Caltech verfügt derzeit über nur 6.100 Qubits. Das geplante PsiQuantum-System übertrifft diese Größe um etwa das 163-fache. Eine im letzten Monat veröffentlichte wissenschaftliche Preprint-Arbeit zeigt, dass das Knacken eines 2048-Bit-Schlüssels etwa 100.000 Qubits erfordern würde. Bitcoin verwendet einen 256-Bit-Schlüssel, was theoretisch noch weniger Qubits benötigt. Sobald die Million-Qubit-Anlage in Betrieb ist, steht die Bitcoin-Verschlüsselungstechnologie vor einer direkten technischen Herausforderung.
Derzeit bestehen in der Krypto-Community deutliche Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Einschätzung der Bedrohung durch Quantencomputing:
Hohes Risiko – Frühzeitige UTXO-Wallets: Am verwundbarsten sind ungenutzte Transaktionsausgänge (UTXO, Unspent Transaction Output), insbesondere bei frühen Adressen, die noch nie Gelder transferiert haben. Deren öffentliche Schlüssel sind seit langem öffentlich bekannt, was sie zum primären Ziel für Quantenangriffe macht.
Mittelfristige Optimisten: Adam Back, CEO von Blockstream, glaubt, dass Quantencomputer Bitcoin mindestens noch zehn Jahre lang nicht ernsthaft bedrohen werden. Eine Studie von CoinShares im Februar zeigt, dass nur etwa 10.230 Bitcoin (mit einem Marktwert von ca. 728,2 Millionen USD) tatsächlich sowohl anfällig für Quantenangriffe sind als auch öffentlich sichtbare Schlüssel besitzen. Das ist im Vergleich zum Gesamtmarktwert von 1,4 Billionen USD relativ gering.
Aktive Verteidiger: Einige Bitcoin-Entwickler diskutieren bereits, ob eine frühzeitige Implementierung quantensicherer Verschlüsselung durch Hard Forks sinnvoll ist. Das Timing und die Notwendigkeit solcher Maßnahmen sind jedoch noch umstritten.
Trotz des großen Interesses an der Anlage betont PsiQuantum ausdrücklich, keine Absicht zu haben, Bitcoin anzugreifen. Der Mitgründer Terry Rudolph sagte im Juli auf dem von Presidio Bitcoin organisierten Quanten-Bitcoin-Gipfel: „Wir haben keine entsprechenden Pläne. Das kann man nicht verbergen, schließlich sind wir ein Unternehmen mit nur wenigen Hundert Mitarbeitern.“ Er betonte weiter, dass das Unternehmen keine Pläne hat, Quantencomputer zu nutzen, um private Schlüssel aus öffentlichen Schlüsseln abzuleiten.
Dennoch bleibt die potenzielle Gefahr bestehen, dass, sobald Quantencomputing praktisch einsatzfähig ist, die Technologie verbreitet wird und andere Akteure sie für Angriffe nutzen könnten. Dies ist ein zentrales Thema in der Diskussion um die Sicherheit von Bitcoin.
Kann eine Anlage mit 1 Million Qubits wirklich Bitcoin verschlüsseln?
Wissenschaftliche Schätzungen deuten darauf hin, dass die Anzahl der Qubits, die zum Knacken der 256-Bit-Verschlüsselung von Bitcoin erforderlich ist, niedriger ist als die für 2048-Bit-Schlüssel geschätzten 100.000 Qubits. Die genauen Schwellenwerte sind jedoch umstritten. Derzeitige Maximal-Quantencomputer (z.B. Caltech mit 6.100 Qubits) liegen noch deutlich darunter. Die tatsächliche Fähigkeit zum Knacken hängt zudem von Fehlerquoten und technischer Reife ab.
Welche Bitcoin-Halter sind am stärksten gefährdet?
Am verwundbarsten sind Bitcoin-Adressen, die noch nie Gelder transferiert haben, da deren öffentliche Schlüssel seit langem öffentlich bekannt sind. CoinShares schätzt, dass nur etwa 10.230 Bitcoin (ca. 728,2 Mio. USD) sowohl anfällig für Quantenangriffe sind als auch öffentlich sichtbare Schlüssel besitzen. Das ist nur ein Bruchteil des Gesamtmarkts von 1,4 Billionen USD.
Welche Maßnahmen ergreift die Bitcoin-Community derzeit?
Entwickler diskutieren, ob sie durch Hard Forks quantensichere Verschlüsselung (Post-Quantum Cryptography) implementieren sollen, um vor der tatsächlichen Bedrohung zu schützen. Vitalik Buterin hat bereits eine Roadmap für quantenresistente Ethereum-Standards veröffentlicht. Experten wie Adam Back von Blockstream sind jedoch der Ansicht, dass die Gefahr noch mindestens zehn Jahre entfernt ist, weshalb die Dringlichkeit der Maßnahmen noch Gegenstand der Debatte ist.