
Die US-Steuerbehörde (IRS) plant, am Freitag einen Vorschlag für neue Vorschriften zu veröffentlichen, die die verpflichtende elektronische Übermittlung der 1099-DA-Steuerformulare durch Kryptowährungsbörsen an die Nutzer vorsehen und die derzeitige Option für Papierformulare abschaffen. Das umstrittenste Element des Vorschlags ist die Regelung, dass Börsen bei Weigerung eines bestehenden Kunden, das Steuerformular elektronisch zu empfangen, die Beziehung zu diesem Kunden „beenden“ dürfen. Nach Verabschiedung des Vorschlags tritt die Regelung am 1. Januar des folgenden Kalenderjahres in Kraft, nachdem die IRS die endgültigen Regeln veröffentlicht hat.
(Quelle: US-Steuerbehörde)
Derzeit müssen Kryptowährungsbörsen bei der Anmeldung der Nutzer eine Papierkopie des 1099-DA-Steuerformulars bereitstellen. Der vorgeschlagene neue Vorschlag würde diese Anforderung abschaffen, sodass Börsen vollständig auf ein elektronisches Meldeverfahren umstellen. Zudem werden zwei umstrittene Klauseln eingeführt:
Bevollmächtigung zur Beendigung der Kundenbeziehung: Wenn ein bestehender Kunde ausdrücklich die Annahme des elektronischen Steuerformulars ablehnt, darf die Börse die Dienstleistung für diesen Kunden einstellen, was zur Schließung des entsprechenden Kontos führen kann.
Verbot der Rücknahme der Zustimmung: Sobald ein Nutzer der elektronischen Übermittlung zustimmt, kann diese Zustimmung nicht rückwirkend widerrufen werden, was die Flexibilität bei der Änderung der Meldeform beeinflusst.
Rückwirkende Aufhebung der Zustimmung: Das neue Regelwerk, zusammen mit den beiden oben genannten Punkten, stellt eine substantielle Einschränkung der Wahlrechte der Nutzer dar.
Die IRS erklärt, dass die Verpflichtung zur elektronischen Meldung die Effizienz der Steuerkonformität verbessern und die Standardisierung sowie Nachverfolgbarkeit der Steuerformulare sicherstellen soll.
(Quelle: National Crypto Association)
Der 1099-DA ist ein spezielles Steuerformular der IRS, das die Transaktionsdaten der Nutzer zentralisierter Börsen erfasst. Die wichtigsten Angaben, die eingereicht werden müssen, sind Name und Steueridentifikationsnummer (TIN) des Kunden sowie die Bruttoumsätze (Gross Proceeds) jeder Transaktion.
Es ist wichtig zu beachten, dass die IRS von Börsen verlangt, die Transaktionsgewinne der Nutzer zu melden, jedoch keine Verpflichtung zur Verfolgung der Kostenbasis besteht. Die Kostenbasis ist der Preis, den der Nutzer bei jedem Kauf der Kryptowährung gezahlt hat. Die Verantwortung für die Berechnung und Dokumentation liegt weiterhin beim Investor. Für das Steuerjahr 2025 hat die IRS ausdrücklich die Befreiung der Börsen von dieser Verpflichtung erklärt.
Laut Daten der National Crypto Association (NCA) besitzen derzeit etwa 20 % der Amerikaner – rund 55 Millionen Menschen – digitale Vermögenswerte. Eine Umfrage unter 54.000 Befragten ergab, dass 10 % die Steuerpflichten im Zusammenhang mit digitalen Vermögenswerten als eines der Haupthindernisse für die Nutzung von Kryptowährungen ansehen, während etwa 39 % mehr Informationen zu den steuerlichen Auswirkungen wünschen.
Der Vorschlag ist eng verbunden mit der Entwicklung der US-Kryptosteuerregulierung in den letzten Jahren. Im Dezember 2024 veröffentlichte die IRS die „DeFi-Broker-Regel“, die dezentrale Börsen (DEX) und DeFi-Plattformen als Broker klassifizierte und von ihnen verlangte, KYC-Informationen zu sammeln und die Transaktionen an die IRS zu melden.
Im April 2025 unterzeichnete US-Präsident Trump eine Resolution, die diese Regel aufhob, was in der Krypto-Branche auf Zustimmung stieß. Allerdings warnen Branchenführer derzeit vor dem Entwurf des CLARITY-Marktstrukturgesetzes, das vage Formulierungen enthält und dazu führen könnte, dass DeFi-Plattformen erneut KYC-Meldepflichten erfüllen müssen, was die ursprüngliche Regelung faktisch wiederherstellen würde.
Der 1099-DA ist ein spezielles Steuerformular der IRS, das die Transaktionsdaten der Nutzer zentralisierter Börsen erfasst. Es verlangt, dass Börsen die Bruttoumsätze der Nutzer melden, damit diese Kapitalgewinne oder -verluste deklarieren können. Wird der Vorschlag angenommen, können Nutzer keine Papierformulare mehr wählen; wer die elektronische Übermittlung ablehnt, riskiert die Kontoschließung.
Laut dem Vorschlag dürfen Börsen die Geschäftsbeziehung mit einem Kunden beenden, wenn dieser die Annahme des elektronischen 1099-DA-Formulars ablehnt. Das bedeutet, dass das entsprechende Konto geschlossen werden könnte. Nutzer müssen sich zwischen der Zustimmung zur elektronischen Übermittlung und dem Verzicht auf die Nutzung der Plattform entscheiden.
Derzeit betreffen die Vorschriften hauptsächlich zentralisierte Börsen und Krypto-Broker. DeFi-Plattformen sind aktuell nicht im Geltungsbereich. Allerdings enthält der umstrittene CLARITY-Gesetzentwurf vage Formulierungen, die dazu führen könnten, dass DeFi-Plattformen wieder KYC-Meldepflichten erfüllen müssen. Die Branche hat hierzu bereits deutliche Warnungen ausgesprochen.